Der Hochwald by Adalbert Stifter

Der Hochwald by Adalbert Stifter

Autor:Adalbert Stifter [Stifter, Adalbert]
Die sprache: eng
Format: epub
Tags: Erzählung
ISBN: 3872910272
Herausgeber: MOST Publishing


»Ei freilich,« erwiederte der Jäger, »da erzählte mir meine eigne Großmutter, daß es wirklich wahr sei, daß nicht weit von dem Berge, wo die drei Sessel stehen, ein solcher See liege, und daß auch einmal vor vielen hundert Jahren ein Mann, der auf dem Schestauer Hause zu Salnau wirthschaftete, aber viel Fluchens und arge Werke trieb, deßwegen auch sein Gut nicht vor sich bringen konnte, am Charfreitage, als alle Christen vor dem Grabe des Herrn beteten, heraufgestiegen sei, und damit sie mehr Schätze tragen können, auch sein Söhnlein mitgenommen habe. - Wie sie nun eintraten, befiel das unschuldige Kind ein Grausen, daß es rief: »Vater, Vater, sieh die glühenden Kohlen, geh heraus!« - - Aber Diesen hatte der böse Feind geblendet, daß er unter den Karfunkeln wählend und wühlend seiner Zeit nicht wahrnahm, bis der Knabe wie mit einem Windesruck an dem See stand, und gerade sah, wie der Fels mit Schlagen und Krachen sich schloß, und den unseligen Vater lebendig darinnen behielt. Den Knaben befiel Entsetzen, er lief, als ob alle Bäume hinter ihm her wären, bergab, und die heilige Jungfrau lenkte seine Schritte auch so, daß er sich glücklich nach Hause fand. Er wuchs heran, wurde gottesfürchtig, und fastete jeden Charfreitag bis die Sterne am Himmel standen - war auch gesegnet in seinen Feldern und in seinem Stalle. Seitdem hat man nirgends gehört, daß Einer in den Berg gedrungen.«

Man sah schweigend auf die graue Wand hinüber, und auch Clarissen war es jetzt, als rühre sie sich und die grünen Tannen stehen als Wächter und flüstern miteinander.

Der Geier war noch immer in der Luft sichtbar, sanft kreisend und schwimmend, oder oft secundenlang so unbeweglich stehend, als wäre er eine in diesem Dome aufgehängte geflügelte Ampel.

Gregor fuhr fort: »Ich war damals ein Bube, und meine Großmutter wußte viele solche Geschichten. Da steht auch ein Berg drei Stunden von hier. - In der uralten Heidenzeit saßen auf ihm einmal drei Könige, und bestimmten die Grenzen der drei Lande: Böheim, Baiern und Oesterreich - es waren drei Sessel in den Felsen gehauen, und jeder saß in seinem eigenen Lande. Sie hatten vieles Gefolge, und man ergötzte sich mit der Jagd, da geschah es, daß drei Männer zu dem See geriethen, und im Muthwill versuchten, Fische zu fangen, und siehe, Forellen, roth um den Mund und gefleckt wie mit glühenden Funken, drängten sich an ihre Hände, daß sie deren eine Menge ans Land warfen. Wie es nun Zwielicht wurde, machten sie Feuer, thaten die Fische in zwei Pfannen mit Wasser, und stellten sie über. Und wie die Männer so herumlagen, und wie der Mond aufgegangen war, und eine schöne Nacht entstand, so wurde das Wasser in den Pfannen heißer und heißer und brodelte und sott und die Fische wurden darinnen nicht todt, sondern lustiger und lustiger - und auf einmal entstand ein Sausen und ein Brausen in den Bäumen, daß sie meinten der Wald falle zusammen, und der See rauschte, als wäre Wind auf ihm, und doch rührte sich kein Zweig und keine



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